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Frutiger wurde am 24. März 1928 in Unterseen in der Schweiz geboren. Er zeigte frühes Interesse am Malen und Bildhauen. 1944 begann Frutiger eine Schriftsetzerlehre bei Otto Schaeffli in Interlaken. Zur selben Zeit besuchte er Kurse an der Züricher Schule für Kunst und Handwerk; noch während dieser Schule begann er mit der Arbeit einer serifenlosen Schrift, die später als Univers wieder auftauchen sollte. 

Mit dem Erscheinen der Univers-Schriftfamilie 1954 entwickelte Adrian Frutiger ein Nummerierungssystem für die 27 Schriftschnitte. Die erste Ziffer der damals zweistelligen Zahl steht für die Strichstärke. Die zweite Ziffer stand für die Buchstabenbreite. Eine gerade Ziffer kennzeichnete den Schriftschnitt "Oblique" (Kursiv).
Die Univers wurde 2010 von Adrian Frutiger und Linotype noch einmal komplett überarbeitet und erschien als Univers Next. Die Schriftfamilie umfasste nun 65 Schnitte. In diesem Zuge wurde das Nummerierungssystem auf drei Stellen erweitert. Die erste Ziffer steht immer noch für die Strichstärke, die zweite Ziffer für die Weite und die dritte Ziffer in Form einer "1" für Oblique (kursiv). Die Univers Next unterstützt 33 Sprachen und ist in Kyrillisch und Arabisch verfügbar.

1952 war Frutiger nach Paris umgezogen, wo er künstlerischer Leiter der Schriftgießerei Deberny & Peignot wurde. Nachdem sich Peignot entschieden hatte, eine serifenlose Schrift für die Lumitype umzusetzen, konnte Frutiger ihn überzeugen, seine bereits in Zürich begonnene Schrift weiterzuentwickeln.

1957 erschien die Univers als Film- und Bleitype. Kurz darauf wurde sie auch von Monotype für deren Satzgeräte angepasst. Nebenbei unterrichtete Frutiger noch an der École Estienne (1952-60) und an der École Nationale Supérieure des Arts Décoratifs de Paris (1954-68). Der Erfolg der Univers führte zu vielen Folgeaufträgen. 

1962 gründete Frutiger mit André Gürtler und Bruno Pfäffli ein Atelier in Arcueil bei Paris. In den Folgejahren entwickelte Frutiger noch viele bekannte Schriften wie zum Beispiel die Phoebus (1953), Ondine (1954), Président (1954), Meridien (1955), Opéra (1960), Égyptienne (1960), Apollo (1964), Serifa (1967) oder auch OCR-B (1968)... um nur einige zu nennen.
Adrian Frutiger erhielt 1968 den Auftrag für den neuen Pariser Flughafen Roissy, der zu einem späteren Zeitpunkt in Charles de Gaulle umbenannt wurde, ein Leit- und Hinweissystem zu entwickeln. Dabei testete Frutiger unter unterschiedlichsten Licht- und Schärfeverhältnissen die Lesbarkeit der Zeichenformen und Buchstaben, um ein optimales Erfassen der Schrift zu erreichen. Die fertige Schrift erhielt anfangs den Namen Roissy.
Die D. Stempel AG erhielt von Adrian Frutiger die Erlaubnis, die Schrift für Setzmaschinen zu vertreiben. In diesem Zuge wurden noch geringfügige Änderungen an der Strichbreite vorgenommen und der Name in Frutiger umbenannt.

1986 wurde Frutiger schließlich mit dem Gutenberg-Preis der Stadt Mainz ausgezeichnet. 1992 zog er wieder in die Schweiz zurück, nach Bremgarten bei Bern. Adrian Frutiger starb am 10. September 2015 im Alter von 87 Jahren.

Folgende lehrreiche Worte stammen von Adrian Frutiger, die die Aufgabe eines Schriftdesigners auf das Wesentliche zusammenfasst.

Die technischen Fortschritte gingen rasch voran. Die elektronische Bildübertragung brachte die Verzackung und später die Vektorisierung der Umrisse. Für mein Formengefühl war das eine Leidenszeit. Doch heute, mit Kurvenprogrammen und Laserbelichtung, scheint mir, dieser Weg durch die Wüste sei zu Ende gegangen. Aus allen diesen Erfahrungen habe ich als Wichtigstes gelernt, dass Lesbarkeit und Schönheit ganz nahe beieinander stehen und dass die Schriftgestalt in ihrer Zurückhaltung vom Leser nicht erkannt, sondern nur erfühlt werden darf. Die gute Schrift ist diejenige, die sich aus dem Bewusstsein des Lesers zurückzieht, um den Geist des Schreibenden und dem Verstehen des Lesenden alleiniges Werkzeug zu sein.

Der AutorThomas Seruset
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Im Herzen Süddeutsch. Im Handeln Weltoffen
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