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Nach zwei intensiven Tagen des On-Boarding und des Testens ist es Zeit, ein erstes Fazit über das neue Social Network Clubhouse zu ziehen sowie den Blick von Außen darauf zulegen. Doch beginnen wir am Freitagabend, als meine Twitter Timeline urplötzlich nur noch einen Hashtag kannte und überall nur noch von Clubhouse zu lesen war. Schnell wurden die Rufe nach Einladungen für die App groß und das wetteifern um diese nahm fast anbiedernde Züge an, auch bei mir - wollen wir alle Teil dieser „neuen“ Evolution sein und von Anfang an dabei sein.

Doch was ist die Clubhouse App?

Clubhouse ist ein Social Network, dass wie Instagram auf eine mobile App setzt und sich irgendwo zwischen Telefonkonferenz und Live-Podcasts bewegt sowie rein als Audio-Dienst genutzt werden kann.

Den Zugang zum Sozialen Netzwerk erhalten aktuell ausschließlich iOS Nutzer, welche zusätzlich über Ihre Telefonnummer eine Einladung erhalten haben. Alle eingeladenen Nutzer haben initial die Möglichkeit zwei Einladungen zu versenden. Dies kann jedoch durch die Steigerung der eigenen Aktivität erhöht werden und wird mit zusätzlichen Einladungen belohnt.

Darüber hinaus kann man in Clubhouse Räumen beitreten oder diese selbst als Moderator eröffnen. Dabei diskutieren Menschen gemeinsamen live und öffentlich unterschiedliche Themen.

Wer tummelt sich aktuell in der Clubhouse App?

Aufgrund der künstlichen Verknappung, dank Beschränkung der App auf iOS sowie der Invite-Only-Politik, ist der Teilnehmerkreis nahezu elitär. So kommt man in den Genuss an Gesprächen und Diskussionen mit der Digitalszene teilnehmen zu können. Meine persönliche Filterblase von Menschen aus Marketing, Technologie, IT, Politik und Nachrichten ist auf Clubhouse noch wenig diversifiziert.

Gerade im Hinblick auf die Diversität und Inklusion scheint es Nachholbedarf zu geben. So sprach Lena Rogl in Ihrem ersten Shortcast am Sonntag auf Clubhouse darüber, dass das Soziale Netzwerk Ihrer Auffassung nach den Zugang für Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten oder Handicaps schwer bis unmöglich gestaltet. Darüber hinaus hat sich bei mir der erste Eindruck nach dem Durchstöbern unterschiedlichster Räumlichkeiten ergeben, dass die Vielzahl der Teilnehmer männlich sind und bislang der weibliche Anteil der Podcasts ausbaufähig ist.

Was macht Clubhouse so besonders?

Diese Frage beantwortet sich unter Umständen nicht sofort, vor allem wenn man wie ich der Meinung ist, dass es sich hierbei um alten Wein in einem neuen Schlauch handelt.

Gerne erinnere ich mich an die Jahre 1999/2000 zurück, als ich zusammen mit drei Freunden in Augsburg ein Internetradio mit unterschiedlichstem Programm und Sendungen umsetzte. Hier richteten wir uns ebenfalls an eine bestimmte Hörerschaft und diskutierten Themen mit dieser telefonisch bzw. über den damals sehr beliebten IRC-Chat.

Neben dieser persönlichen Anekdote gibt es weitere vergleichbare Formate wie Podcasts, die sich auf den gängigen Plattformen wie Spotify, Deezer, Apple Podcast etc. großer Beliebtheit erfreuen und unterschiedliche Inhalte adressieren.

Doch die beiden genannten Formaten eint, dass sie einen hohen Anspruch an Technik sowie Equipment haben und nicht einfach spontan umgesetzt werden können. Hierbei liegt das Besondere in Clubhouse und macht es sympathisch in der Anwendung. Jeder und jede hat mit seinem Smartphone die Möglichkeit, schnell und einfach Gespräche zu führen, ohne dabei großen Aufwand für Studio, Mikrofonierung, Datenübertragung uvm. betreiben zu müssen.

Besonderen Charme haben m. E. neben Diskussionsrunden auch Formate wie Buchbesprechungen, Plattenvorstellungen und -kritiken, aber auch Fußballfans könnten hier auf Ihre Kosten kommen beim Digital Bundesligastammtisch oder Vergleichbarem.

Wie hält es Clubhouse mit dem Datenschutz?

Das ist tatsächlich ein großes Thema, insbesondere unter Berücksichtigung des aktuellen Einladungsprozesses. So ist das Beitreten zu Clubhouse nur mit dem personenbezogenen Datum einer Telefonnummer möglich. Darüber hinaus sind Einladungen nur möglich, wenn das eigene Adressbuch dafür freigeben wird. Clubhouse wertet hierbei bereits aus, wer aus den Adressbüchern Teilnehmer kennt, die bereits auf der Plattform erfolgreich registriert wurden.

Weiter werden beim Verbinden der Twitter- und Instragram-Acounts alle Daten von dort abgegriffen, sodass Clubhouse sehr genau weiß, wann du schläfst und wann du wach bist. Auch scheint es so, dass Clubhouse kurzen Prozess mit Datenschutz liebenden Störenfrieden macht, wenn man so manchen Twitter-Threads glauben schenkt.
Entsprechend kann man hier aus Sicht der DSGVO großen Nachbesserungsbedarf erkennen und all diejenigen, die über einen Wechsel von WhatsApp zu einem anderen Messenger nachdenken, sollten die Nutzung von Clubhouse ausdrücklich überdenken.

Mein Fazit zu Clubhouse

Clubhouse bietet spannende Möglichkeiten für Formate und des Diskurses, insbesondere in einer Zeit, in der sich viele Menschen wieder nach persönlichen Gesprächen sehnen.

Aber gerade der Diskurs wird auch zeigen, wie sich die Plattform positioniert. Denn das live gesprochene Wort, gerade wenn wir es mit Hass und Hetze auf anderen sozialen Netzwerken vergleichen, kann hier eine ganz andere Dimension entstehen lassen, die ein vielfaches mehr verletzt sowie Spaltung schürt, als uns das bis dato bewusst war.

Darüber hinaus wird sich erst mit der allgemeinen Öffnung der Plattform für alle und die Ausweitung auf Android zeigen, ob das Proof of concept aufgeht. Es gab schon einmal einen vermeintlichen Social Media Hype, der durch die Kanäle ging und nur die wenigsten sprechen heute noch von z. B. Vero.

Der AutorRudolf Moser
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Im Herzen Süddeutsch. Im Handeln Weltoffen
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