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Wie das Internet mein Leben beeinflusste

Bevor ich zur Gr├╝ndung der zeroseven design studios einige Zeilen schreibe, m├Âchte ich erst ein paar Worte zu den Anf├Ąngen meiner Selbstst├Ąndigkeit verlieren und wie die Entwicklung der Internettechnologie meinen Weg beeinflusste.

Ich kann mich noch genau daran erinnern: Angefangen hat alles 1994, als ich mir meinen ersten eigenen Mac kaufte. Einen Power Macintosh 6100. Als gelernter Druckformhersteller/Schriftsetzer hat mich die neue Technologie um DTP (Desktop Publishing) extrem gereizt und interessiert. Mit dem Besitz meines eigenen Mac und der Software QuarkXPress, Aldus Freehand und Photoshop habe ich ein Gewerbe angemeldet und meine gestalterischen Leistungen unter dem Firmennamen ÔÇ×TypoArtsÔÇť angeboten. Am Anfang waren die Auftr├Ąge noch ├╝berschaubar. Hier mal eine Autogrammkarte, diverse Stadionzeitungen f├╝r Fussballvereine oder eine Gesch├Ąftsausstattung z├Ąhlten zu meinen anf├Ąnglichen Auftr├Ągen.

Neben meiner kreativen Dienstleistung hatte ich Schreib-, Zeichen-, Noitzbl├Âcke und Schulhefte aus Hanfpapier produzieren lassen, die ich ebenfalls nebenher verkaufte. Um den Verkauf etwas anzukurbeln, hatte ich in einem Hanfmagazin eine Anzeige geschaltet. Mit Erscheinen der Ausgabe ist mein Faxger├Ąt damals hei├č gelaufen. Man kann es sich heute kaum noch vorstellen, ich hatte ├╝ber Nacht fast 80 Bestellungen von diversen Hanf-Shops aus ganz Deutschland, ├ľsterreich und der Schweiz erhalten. Mit meinen Produkten hatte ich zumindest den Nerv der Hanfh├Ąndler getroffen. F├╝r die zweite Auflage meiner Schreibbl├Âcke und Schulhefte hatte ich Hanfpapier aus Ungarn importiert. So machte ich meine ersten Erfahrungen mit diversen Materialien aus Hanf. Auch heute noch ist Hanfpapier die bessere Alternative zu herk├Âmmlichen Papieren.

Ein damaliger Freund machte mich auf die gerade aufkommende Internettechnologie aufmerksam. Der Umgang mit Druckdaten war mir ja schon vertraut und meine ersten Erfahrungen habe ich ├╝ber meine Teilselbstst├Ąndigkeit bereits gesammelt. Die Internettechnologie erm├Âglichte mir auf einmal die weitere Verwendung der Druckdaten. Bis dahin landeten die Druckdaten zuerst auf einem RIP (Raster Image Processor) und anschlie├čend nach dem Druck im Backup auf Magnetband oder im Archiv und wurden nicht weiter verarbeitet.

Mir war zu diesem Zeitpunkt klar, dass mit diesen Daten ein vielfaches mehr anzufangen ist. Der Gedanke und die Faszination hat mich nicht mehr losgelassen. Mit meinem ersten Buch ÔÇ×Gestaltungsgrundlagen f├╝r ein neues Medium Web-DesignÔÇť versuchte ich mit ÔÇ×Learning by doingÔÇť, wie man mit einem Texteditor und den richtigen Bildformaten eine Website bauen kann. Das Buch kostete sagenhafte 59,- DM.

Ich glaube, ich war damals einer der Ersten, der im Alb-Donau-Kreis eine T-Online-E-Mail-Adresse besa├č und per E-Mail erreichbar war. Mit meinem MAC, einer ISDN-Leitung mit damals 128 Kbit/s (2 x 64 Kbit/s) und einer Leonardo-ISDN-Karte konnte ich mich ins Internet einw├Ąhlen. Mein damaliges E-Mail Programm war nicht von Apple, sondern von Claris. Gesurft wurde mit den Browsern von Netscape. Nach heutigen Gesichtspunkten alles sehr nostalgisch, obwohl es gef├╝hlt noch gar nicht so lange her ist.

Nepster und Hotline waren die idealen Softwarel├Âsungen, um digitale Daten zu tauschen und neue Sph├Ąren ├╝ber das Internet zu erreichen. Die Software Hotline funktionierte ├Ąhnliche wie ein FTP-Programm. Mit dieser Software war es m├Âglich einen Teil seiner Festplatte f├╝r den Datenaustausch freizugeben. Meine Online-Geb├╝hren bei der Telekom erh├Âhten sich von Monat zu Monat. Zu meinen Spitzenzeiten lagen diese bei knapp 800 Mark.

Neben der M├Âglichkeit, Internetseiten zu programmieren, faszinierte mich auch die Programmierung von interaktiven CD-ROMs. Auch die Gestaltung und Entwicklung von Schriften hatte es mir angetan. Die neuen digitalen Medien verbanden alles miteinander: Typografie, Sound, Animationen und Interaktivit├Ąt. Es war eigentlich klar, dass unter diesen Voraussetzungen das Internet seinen Siegeszug antreten muss, was es schlussendlich auch tat. Und so nahm alles seinen Lauf.

Unvergesslich meine Zeit an der FIND. Noch einmal die Schulbank dr├╝cken. Wir hatten eine tolle Klasse und einen super Klassenlehrer mit Herrn B├Âhringer.

Ich bewarb mich auf eine der ersten Designschulen, die sich auf die Neuen Medien spezialisiert hatte. Mit der Zusage durfte ich nochmals die Schulbank dr├╝cken. Nun konnte ich mich intensiv mit all den neuen M├Âglichkeiten besch├Ąftigen. Die Fachschule f├╝r Informationsdesign in Reutlingen, kurz FIND genannt, war f├╝r mich der Start in eine digitale ├ära. Der Abschluss zum staatlich gepr├╝ften Informationsdesigner war dabei nur Nebensache. Als Abschlussarbeit entwickelte ich mein eigenes interaktives Lehrbuch ├╝ber Typografie mit dem Macromedia Director (danach Adobe Director), was ich dann 1997 unter meinem eigenen Designlabel ÔÇ×TypoArtsÔÇť vertrieb.
Ich reservierte bereits Mitte der 90er meine erste ".com-Domain" f├╝r mein Designlabel. Unter "www.typoarts.com" ver├Âffentlichte ich dann meine CD-ROM. Damals lag eine Domain noch bei ├╝ber 500 Mark im Jahr. F├╝r heutige Verh├Ąltnisse unglaublich teuer.

Typografische Ansichten war eine CD-ROM mit einem Sammelwerk an typografische Regeln, die mich extrem interessiert haben. Ich konnte die Zeit an der FIND nutzen und ├╝ber meine Designarbeit eine interaktive CD-ROM entwickeln.

Zur gleichen Zeit versuchte ich, die damaligen Immobilienh├Ąndler in Ulm f├╝r eine gemeinsame Immobilienplattform ÔÇ×Immo-UlmÔÇť zu gewinnen. Leider war keiner von meiner Idee ├╝berzeugt, seine Immobilien mit denen seiner Mitbewerber auf eine Online-Plattform zu stellen. F├╝r viele war das Internet damals nur eine kurzlebige Spinnerei.

Our New Old Economy

Im Jahr 1997 war das Internet in seinen Startl├Âchern und hatte f├Ârmlich darauf gewartet, dass Agenturen sich seiner zu Nutzen machten. Diese sprie├čten damals wie Unkraut aus dem Boden und jeder bot auf einmal Internet- oder Multimedial├Âsungen an. Der Arbeitsmarkt war leer gefegt von Fachpersonal. In vielen F├Ąllen wurden Mitarbeiter eingestellt die keine Ahnung hatten, um was es sich hierbei drehte bzw. was der Kunde eigentlich wollte oder brauchte. Studenten wurden direkt vom 1. Praxissemester zum Abteilungsleiter ÔÇ×New MediaÔÇť ernannt. Schon war sie geboren, die ÔÇ×New EconomyÔÇť. All die ÔÇ×abgefahrenenÔÇť und ÔÇ×innovativenÔÇť Agenturen hatten Loft-B├╝ror├Ąume in den besten Gegenden der unterschiedlichen St├Ądte. Die Philosophie von einem modernen Arbeitsplatz, mit tollen Aussichten und steilen Aufstiegsm├Âglichkeiten. Der Gesch├Ąftsf├╝hrer war so jung, dass er kaum vom Praktikanten zu unterscheiden war. Lediglich das Outfit war ein Unterscheidungsmerkmal. Der eine trug einen Armani-Anzug der andere nur eine Levi's-Jeans. Wie es sich f├╝r eine erfolgreiche Agentur geh├Ârte, und um mit dem Hype mithalten zu k├Ânnen, musste nat├╝rlich auf jeder ordentlichen Firmenanschrift noch die Niederlassung von London, San Francisco oder New York stehen. Nun waren sie alle da, die virtuellen Traumagenturen. Wahrlich, es war ein toller Traum, den alle damals tr├Ąumten. Heute schnell zu einem Businesstalk nach San Francisco fliegen, morgen Kundenmeeting bei BMW und ├╝bermorgen Businessweekend in den Anden.

Nach dem Abschluss an der Designschule 1998 konnte ich meinen damaligen Arbeitgeber, eine Druckerei, nicht davon ├╝berzeugen, sich mit dem Thema Internet n├Ąher zu besch├Ąftigen und deren Kunden Webseiten anzubieten. Keiner konnte mir die M├Âglichkeit bieten, den Job zu machen, der mir wirklich Spa├č machte. Nach einem k├╝rzeren Intermezzo in einer neugegr├╝ndeten Internetagentur von 1998 bis 2000 war f├╝r mich dann klar, dass ich mich selbstst├Ąndig mache und meinen eigenen Weg gehen muss. So gr├╝ndete ich im August 2000 meine eigene Agentur und konnte endlich meine eigenen Tr├Ąume leben.

Fuck Millenium!

2000: Das Millennium, der Wechsel von 1999 auf 2000, lief trotz vieler Vorwarnungen ohne b├Âsen Crash ab. Mein gro├čes Interesse und Vorliebe zur Typografie und Schriftgestaltung hatten mich 1999 dazu veranlasst, mein eigenes Typo-Label ÔÇ×Eleven7ÔÇť ins Leben zu rufen. Durch den ganzen Hype um das Millennium hatte ich damals eine Schrift entworfen, die ich ÔÇ×Fuck MillenniumÔÇť nannte. Die vielen Schlagzeilen und Vorhersagen zum Jahrtausendwechsel hatten mich am Ende mehr genervt. Eine Zeit lang drehte sich alles um dieses Silvester, und schlu├čendlich war es wie jedes Jahr.
├ťber mein Font-Label vertrieb ich meine eigenen Schriften oder auch Schriften von anderen Designern. Zur damaligen Zeit lernte ich per E-Mail den Fontdesigner Yanek Iontef kennen, dessen Schriften ich in meinem Label aufgenommen hatte. Yanek hat heute intensiv an der Entwicklung der IBM Plex Schrift mitgewirkt und hier die hebr├Ąischen Zeichens├Ątze entwickelt. Ich gestaltete damals meine eigenen digitalen Fontbooks mit allen Schriften, die ich im Vertrieb hatte. Das war eine wunderbare Zeit.

Links abgebildet: Zur Entwicklung der DOT.COM Blase hatte ich in der Zeit eine passende Schrift gestaltet. Die DOT-COM findet ihr in unserem Blog-Beitrag "Freefont DOT-COM als Statement zur New Economy" zum freien Download. Rechts abgebildet: Fuck Millenium. Die Schrift war ein Statement zu allem Unfug der zum Jahrtausendwechsel verbreitet wurde.

Meine FontKit01 bis FontKit03 waren Fontkataloge zu den damaligen Schriften, die ich ├╝ber meinen Fontlabel Eleven-7 vertrieb.

Die Gr├╝ndung meiner ersten GmbH unsere heutige Agentur

Wie es sich f├╝r einen bescheidenen Schwaben geh├Ârte, hatte auch ich die Tr├Ąume von einer Niederlassung in London, San Francisco oder New York. Meine Motivation, Begeisterung und mein Stolz waren gro├č, endlich eine eigene Agentur zu f├╝hren. Diese Leidenschaft habe ich bis heute nach 20 Jahren nicht verloren. Der entscheidende Schritt hierzu war die Gr├╝ndung meiner ersten GmbH. Die orangeflex Media Solutions GmbH, mit dem Firmensitz in einer ehemaligen Kofferfabrik. Das war f├╝r mich auch irgendwie cool und ich versp├╝rte den Flair der New Economy. 

Am Anfang war unser Logo noch orange. Dann reduzierten wir die Farbe des Erscheinungsbild auf einen Cool-Grey Farbton. Das Logo gef├Ąllt mir heute noch.

In unseren R├Ąumlichkeiten stand ein gro├čer Billardtisch, an der Wand hingen Levi's Poster und wir hatten uns es wirklich gem├╝tlich eingerichtet. Schlie├člich verbrachte ich fast dreiviertel meines Tages in den R├Ąumlichkeiten.
Nach knapp einem Jahr hatte ich die ersten beiden Mitarbeiter. Angefangen hatten wir mit einem eigens entwickelten CMS-System. Dar├╝ber hinaus programmierten wir f├╝r unsere Kunden Online-Produktdatenbanken, die sowohl im Internet liefen, als auch eins zu eins auf CD-ROM gebrannt werden konnte. Was uns zu dieser Zeit ebenfalls faszinierte, war das Experimentierten mit diversen 3-D-Technologien, wie ÔÇ×ViewpointÔÇť oder ÔÇ×Shockwave 3-DÔÇť. Gef├╝hlt waren wir unserer Zeit voraus. Die Ideen waren da, das Interesse an der Technologie auch. Nur der Markt war daf├╝r irgendwie noch nicht bereit.

Das Design eines unserer ersten Websites. Im Vergleich zu heute hat sich hier einiges ver├Ąndert. Nicht nur die Bandbreite der Internetzug├Ąnge. Bilder und Emotionalisierung steht heute im Vordergrund und nat├╝rlich der Content.

Gef├╝hlt ein St├╝ck New Economy waren unsere Agenturr├Ąume in der ehemaligen Kofferfabrik in der Bleichstrasse. Der Billard-Tisch und die Poster an der Wand verleihten unseren B├╝ror├Ąumen einen besonderen Flair. Kaum zu glauben, dass ich mit dem Chaos damals arbeiten konnte, wenn wir zum Vergleich unsere B├╝ros heute sehen.

Zu dieser Zeit hatten wir au├čer einem hippen Firmennamen und coolen B├╝ror├Ąumen nicht viel von der New Economy mitbekommen. Uns war nicht einmal bewusst, dass wir zu jener Zeiten bessere Zahlen und vor allem Bilanzen schrieben wie Kabel-New-Media oder gar Pixelpark.

cre@teonline - The Web Designer's Bible. Das Magazin trug diesen Namen zu recht. Kein anderes Magazin hat die damalige Zeit und Technologie im Design und Inhalt so in Einklang gebracht. Schade, dass es solche Magazine heute nicht mehr gibt.

In der Zeit von 2001 bis 2003 war ich Abonnent des Magazins "cre@teonline". Ich muss hier wirklich ein paar Worte zu diesem Magazin verlieren. Es trug seinen Zusatz "The Web Designer's Bible" zurecht. CreateOnline schaffte es geschickt f├╝r uns Webdesigner einen interessanten Inhalt mit einem au├čergew├Âhnlichen Design zu vereinen. Jeden Monat wurden tolle und au├čergew├Âhnliche Webprojekte, neue Technologien oder auch Agenturen vorgestellt. Das war wirklich noch eine Zeit, in der das Webdesign eine experimentelle Zeit durchlief. Gerade bei uns Kreativen gab es eine Vielzahl von Websites, die durch ihren experimentellen Ansatz auffielen. 

Jeden Monat stellte cre@teonline eine Agentur vor mit einem ausf├╝hrlichen Interview mit einem der Gr├╝nder. Das waren sehr inspirierende Storys.

+ism war auch regelm├Ą├čig in der cre@teonline vertreten. Hier beispielhaft mit ihrer Schrift "Bioprosthesis".

Anfang 2000 kam ein ausf├╝hrlicher Artikel in der cre@teonline ├╝ber "Boo.com". Ein Projekt, was weit seiner Zeit veraus war. Das Unternehmen "Boo.com" plante einen Online-Einkaufwelt, die komplett auf 3D Technologie aufgesetzt war. Der User konnte alle Produkte dreidimensional betrachten und einkaufen. Selbst heute 20 Jahre sp├Ąter gibt es noch keine vergleichbare L├Âsung, die Boo.com damals plante. Das Ergebnis: Boo.com war seiner Zeit weit voraus und wurde ebenfalls Opfer der .com-Blase.

Jeder sammelt so seine Erfahrung mit dem Medium Internet. Vor allem im Bereich der Typedesigner entwickelte sich hier eine Branche, die die M├Âglichkeiten im Design damals voll aussch├Âpften. Wenn ich an die damalige Zeit zur├╝ckdenke, dann fallen mir spontan drei Font-Labels ein, die pr├Ągend f├╝r diese Zeit waren. Das sind "+ism", "T26" und "2Rebells". Das Design der Schriften oder auch der Fontkataloge von +ism haben mich damals fasziniert. Dar├╝ber hinaus gab es aber auch viele junge Designer, die sich einen Namen machten. Zum Beispiel Germ├ín Olaya, der geb├╝rtige Kolumbianer hat bereits mit 16 Jahren angefangen Schriften zu entwickeln und diese ├╝ber seine Website Typo5 zu vertreiben. Seine Schriften wie auch das Design seiner Website sind heute noch inspirierend. Das war noch eine Zeit, in der Design frei gestaltet wurde, ohne jegliche Zw├Ąnge von Technologie oder Google.

F├╝r unseren Beitrag haben wir die Fontbooks von +ism in MockUp's eingearbeitet. Die Designs von +ism ist heute noch so inspirierend wie damals. Hier ist jede Seite f├╝r sich ein Design-Kunstwerk.

Ich startete meine Selbstst├Ąndigkeit unter anderem auch in eine Zeit hinein, in der die New Economy gerade zusammenbrach und das Internet, vor allem Internetagenturen, lange als verp├Ânt galten und als S├╝ndenbock f├╝r den B├Ârsencrash der New Economy herhalten mussten. Die Zeiten waren damals schwierig. Unser hipper Firmenname blieb nicht lange. Ich hatte den Fehler gemacht, dass ich meinte, den Firmennamen beim Patent- und Markenamt anmelden zu m├╝ssen. Ab diesem Zeitpunkt hatte ich eine Auseinandersetzung mit einem Telekommunikationskonzern aus Frankreich. Schlussendlich war die rechtliche Einsicht, keinen Kampf gegen einen internationalen Konzern zu f├╝hren, mit einem positiven Ausgang behaftet. Er verschaffte uns ├╝ber Umwege den Namen, der auch wirklich zu uns passt.

So nebenbei hatten wir die New Economy einigerma├čen unbeschadet ├╝berstanden. Wir freuten uns ├╝ber unsere Arbeiten und all die neuen Technologien, mit denen wir uns auseinandersetzen durften. Vor allem aber ├╝ber die Anerkennung, die wir von unseren Kunden erhielten. Das bedeutet uns auch heute noch sehr viel.

Im Jahr 2001 erhielten wir - f├╝r mich ganz unerwartet - die M├Âglichkeit, in den USA eine Pr├Ąsentation abhalten zu d├╝rfen. Curious Labs planten ihren neuen Internetauftritt und luden uns zu einer Pr├Ąsentation direkt nach Santa Cruz ein. Wir pr├Ąsentierten damals das neue Design der Webseite mit einer integrierten 3-D Technologie. Curious Labs war Vorreiter im Bereich Softwareentwicklung f├╝r 3-D Charakter (Avatare). Mit diesem Projekt konnten wir doch ein wenig das Feeling von San Francisco und Silicon Valley schnuppern. Ein Hauch New Economy und ein St├╝ck meiner Tr├Ąume wurde damit wahr. Unser Flug ging direkt nach San Francisco. Von dort aus fuhren wir mit einen Mietwagen auf dem Highway No. 1 an der K├╝ste entlang s├╝dlich nach Santa Cruz. Die Fahrt auf dem Highway No. 1 war ein unbeschreiblicher Moment. Das Gef├╝hl der Freiheit und grenzenlosen Arbeiten belegten genau das, was man der damaligen New Economy nachgesagt hatte. Das Erlebnis dieser Reise in die Technologieregion der USA bleibt mir immer in Erinnerung. Die R├╝ckfahrt ging dann wieder ├╝ber den Highway No. 1 nach San Francisco hoch. Bis zu unserem R├╝ckflug konnten wir noch ein paar Tage in dieser tollen Stadt verbringen.

Erinnerungen an unsere Pr├Ąsentation in Santa Cruz bei Curious Labs. Die S├╝dk├╝ste Kaliforniens bereiste ich noch ├Âfters. Das Land und die Eindr├╝cke haben mich nie losgelassen.

Der B├Ârsencrash

Parallel zu unserer Firmenentwicklung kam es, wie es kommen musste. Die gro├če Blase ÔÇ×New EconomyÔÇť platze und verursachte einen der gr├Â├čten B├Ârsencrashs. Die Aktien der gro├čen Agenturen wie Kabel-New-Media waren nicht einmal mehr das Papier wert, auf das diese gedruckt waren, trotz vielversprechender Aussichten als Aktion├Ąr oder Investor. Der Markt bereinigte sich von ganz alleine. Viele Agenturen lie├čen ihre Federn oder schrumpften auf eine ordentliche Gr├Â├če. Auf einmal stand eine Vielzahl kompetenter und qualifizierter Fachkr├Ąfte auf dem Arbeitsmarkt zur Verf├╝gung und es wurde wieder auf Werte und Abschl├╝sse geachtet.

Zu dieser Zeit, es war 2003, hatten wir in der Agentur unseren vierten festen Mitarbeiter eingestellt und uns der Verantwortung angenommen auszubilden. Dieser Verantwortung sind wir uns heute nach wie vor bewusst. Auch sind wir davon ├╝berzeugt, dass eine gute Ausbildung im Haus den Bedarf f├╝r zuk├╝nftiges Fachpersonal sicherstellt.

Unsere erste TYPO3 Website entwickelten wir bereits 2003. Ein System was uns nun schon viele Jahre begleitet. Das aus ├ťberzeugung.

Neben der personellen Entwicklung zog das Internet mehr und mehr in Kommunikationskonzepte von Unternehmen ein und schaffte Mehrwerte und Nutzen f├╝r diese. Auf der einen Seite wurden Contentmanagement-Systeme wie TYPO3 eingef├╝hrt und auf der anderen Seite Unternehmensprozesse im Internet abgebildet sowie tragbare Online-Shops entwickelt. Wir entschieden uns damals schon f├╝r TYPO3, weg von einer individuellen CMS-Entwicklung.

graphicdisc - Individual Disc's for individual People

Unsere ersten Erfahrungen mit E-Commerce-L├Âsungen konnten wir bereits 2003 sammeln. Damals gr├╝ndete ich das Label "graphicdisc", welches bedruckte CD-Rohlinge ├╝ber das Internet vertrieb. Die Idee hinter graphicdisc war, m├Âglichst vielen Menschen CD-Rohlinge mit einem tollen Design anzubieten. Jedes Musik-Sample ist eine pers├Ânliche Zusammenstellung von Liedern, die eine passende Form als Speichermedium brauchten. Damit wir ├╝ber das Label tolle Designs bekommen konnten, schrieb ich unterschiedliche Designer auf der ganzen Welt an. Das Gesch├Ąftsmodell war, der Designer liefert an graphicdisc ein Design f├╝r ein CD-Label und erh├Ąlt im Gegenzug 20 Exemplaren von den bedruckten CD-Rohlingen. Das kam sehr gut bei den Designern an. Was mich damals total stolz machte war, dass ich zwei meiner Lieblingsdesigner f├╝r meine Idee gewinnen konnte. Mit Robert Lindstr├Âm von "The Design Chapel", konnte ich einen der angesagtesten Designer aus Schweden gewinnen. Robert ist Gr├╝nder der Agentur "NorthKingdom", eine der besten Adressen, wenn es um kreative digitale Arbeiten geht.

CD-Labels gestaltet von Robert Lindstr├Âm. 

Ein weiterer Top-Kreativer, f├╝r mich eine der schillerndsten und pr├Ągendsten kreativen Pers├Ânlichkeiten der damaligen Zeit, war Arnaud Mercier. Gr├╝nder und Gesch├Ąftsf├╝hrer von "AREA 17", eine franz├Âsische Agentur, die heute ein B├╝ro in Paris und New York hat. Arnaud ist f├╝r mich ein Designer, der ein Gef├╝hl f├╝r Formen, Bilder, Illustrationen und Typografie hatte, wie kaum ein anderer. Seine Designs sind f├╝r mich heute noch genauso angesagt und au├čergew├Âhnlich, wie damals. Einfach ein zeitloses Design, das jeden Trend ├╝berlebt. Seine Arbeiten und Designs haben mich wie kaum ein anderer inspiriert und fasziniert. Leider ist Arnaud schon sehr fr├╝h verstorben. Ich hatte das erst per Zufall 2019 erfahren, was mich sehr traurig gestimmt hat. Ein toller Mensch und Designer, der mir immer in Erinnerung bleiben wird.
Unseren ersten Online-Shop programmierten wir mit xt-commerce. Eine OpenScource-L├Âsung, die zum Beginn des Online-Handels extrem verbreitet und beliebt war. Wir hatten damals alles wichtige und notwendige in den Shop integriert. Die Rohlinge konnten direkt per Kreditkarte bezahlt werden und wurden dann von mir pers├Ânlich verpackt und verschickt. Wir betrieben den Shop fast vier Jahre, bis dann iTunes so verbreitet war, dass kaum noch jemand Musik auf CD-Rohlinge brannte. Ein paar wenige Rohlinge sind heute noch ├╝brig.
Es ist immer hilfreich, wenn man ├╝ber eigene Projekte Erfahrungen sammeln kann. Der Online-Handel hat sich gewaltig ver├Ąndert im Vergleich zu damals. Wenn wir heute zur├╝ckblicken auf 17 Jahre Shop-Entwicklung, so haben wir so manches Projekt auf die Stra├če gebracht.

CD-Labels von Arnaud Mercier. F├╝r mich eines der inspirierendsten Designer der New Economy Zeit. Seine Designs sind heute wie damals modern und zeitlos. 

Weitere CD-Labels von Gast-Designern, die f├╝r graphicdisc gestaltet haben, oder auch eigens entwickelte Designs (linkes Bild).

Auch wir erfanden uns neu

Die zeroseven design studios zogen 2006 in die Hahnengasse, Mitten in Ulm. F├╝r uns war es ein Neuanfang. Raus aus den alten R├Ąumlichkeiten, rein in die Stadt. Die knapp 120 qm gro├čen B├╝ror├Ąume boten uns ein heimisches Ambiente. Unser heutiger Creative Director und Kreativ-Gesch├Ąftsf├╝hrer Sebastian Feurle war zur damaligen Zeit auf der Suche nach einem Ausbildungsbetrieb, der ihn ├╝bernimmt. Ich kann mich heute noch daran erinnern, als w├Ąre es gestern gewesen. Ein junger Kerl mit Strohhut stand auf einmal vor mir und erz├Ąhlte, dass sein Arbeitgeber schlie├čen muss und er einen Ausbildungsbetrieb sucht, in dem er sein letztes Ausbildungsjahr absolvieren kann. Das Sebastian als einer der beiden Jahrgangsbesten im Kreativ-Bereich abschloss, war f├╝r mich nicht verwunderlich. Es sind die Zuf├Ąlle und die au├čergew├Âhnlichen Wege, die Menschen zusammenbringen.

Der Eingangsbereich unseres ehemaligen B├╝ro in der Hahnengasse 1. Von 2006 bis 2013 waren wir in der Hahnengasse in Ulm.

Zu unserem Neuanfang in der Hahnengasse entwickelten wir eine visuelle Identit├Ąt mit der passenden Brand-Story. Uns faszinierte das Thema Raumfahrt als Metapher und Br├╝cke zur Internettechnologie. Das technisch komplexe Thema l├Ąsst sich gut anhand von Beispielen aus der Raumfahrt beschreiben. So entstand unsere eigene Brosch├╝re, interaktive CD-ROM und Website, die wir damals noch mit Flash programmierten.

Die Titelseite unserer ersten Firmenbrosch├╝re. Auf dieser Grundlage entwickelten wir ein Flash-Seite, die auch auf CD-ROM lauff├Ąhig war. 

Flash und Flex waren zwei Technologien, die sehr eng miteinander verbunden waren und die uns begeisterten. Nebenbei besch├Ąftigten wir uns intensiv mit TYPO3, dem neuen Stern am Himmel f├╝r die Umsetzung von Websites. Das Contentmanagement-System TYPO3 nutzen wir seit 2003. Flex lag aufgrund unseres Flash-Know-hows sehr nahe. Mit der Vorstellung des iPhones von Apple war die Technologie zum Tode verurteilt. Mit der Vorstellung des iPads war klar, dass diese Technologie auf Dauer keine Relevanz mehr haben wird. So nutzten wir unser internes Know-how in der Flex- sowie Flash-Entwicklung und stiegen auf ObjectiveC um, was die damalige Programmiersprache f├╝r das iPhone und iPad war.

2016 feierte Sebastian Feurle sein 10 j├Ąhriges Firmenjubil├Ąum in den zeroseven design studios. Unser ehemaliger Auszubildender ist heute Head of Creation.

Klassisch oder rein digital, oder gar Architektur?

Bleiben die zeroseven design studios eine reine Digitalagentur oder bauen wir uns dar├╝ber hinaus noch weitere Expertisen in der Markenentwicklung/-f├╝hrung und Architektur auf? Das waren die Fragen, die f├╝r unseren zuk├╝nftigen Weg als Agentur entscheidend waren. Neben unserer Digitalexpertise war f├╝r mich die Markenentwicklung und das Markenverst├Ąndnis eine wichtige Komponente in der Zusammenarbeit mit unseren Kunden. Digital f├╝hren kann man nur dann richtig, wenn das Verst├Ąndnis der Markenentwicklung vorhanden ist.

Neben der reinen digitalen Expertise entwickelte sich die Agentur dar├╝ber hinaus im Bereich der Marken- und Marketing-Expertise weiter. Auch den Bereich SEO verankerten wir schon sehr fr├╝hzeitig mit eigenen Mitarbeitern in unserer Agentur. F├╝r uns war klar, dass Technologie, Design und Markenentwicklung f├╝r die Zukunft drei wichtige Eckpfeiler sein werden. So war es dann irgendwie auch kein Zufall, dass ich ├╝ber ein gemeinsames Projekt 2013 Eva Kalcker als Interims-Marketingleiterin in einem Ulmer Unternehmen kennenlernte. Auch hier haben sich die Wege von zwei Menschen auf eine etwas ungew├Âhnliche Weise gekreuzt und zueinandergefunden. Ein Gl├╝ck f├╝r die zeroseven design studios, welche die Expertise f├╝r Marken und Markenentwicklung damit fest in das Leistungsportfolio der Agentur verankern konnten.
Die Erfahrung und das Know-how von Eva Kalcker rundete dann unser Portfolio ab.

Unseren ersten Online-Shop setzten wir 2003 mit xt-commerce um. Seit 2013 sind wir autorisierter Shopware Partner und Agentur.

Architektur. Ein bleibender Eindruck

Architektur hat mich neben meinen ganzen Design-Vorlieben ebenfalls schon fr├╝h interessiert. Meine ersten Ber├╝hrungen mit der Architektur hatte ich dann aber ├╝ber einen doch etwas ungew├Âhnlicheren Weg. Ein guter Freund von mir, der ebenfalls eine Agentur betreibt, hatte die Idee, ein Caf├ę zu er├Âffnen. Das Konzept des Caf├ęs sollte ├╝ber Schiffs-Container umgesetzt werden. Als mein Freund mir das erz├Ąhlte, war ich sofort Feuer und Flamme f├╝r seine Idee und wollte ein Teil davon sein. Gesagt, getan! Wir gr├╝ndeten mit zwei weiteren Freunden die Ungew├Âhnlich GmbH und betrieben fortan ein Tagescaf├ę. Die Umsetzung des Tagescaf├ęÔÇśs haben wir dann mit zwei Schiffs-Containern realisiert. Die zeroseven design studios entwickelten das Erscheinungsbild und die Website zum Caf├ę. Das Thema Architektur hat mich seither nicht mehr losgelassen.

Ein gemeinsames Projekt mit Freunden. Caf├ę Ungew├Âhnlich, was auf einem Container-Konzept aufsetzt. Container bieten im Corporate Architecture-Bereich viele tolle M├Âglichkeiten in der Raumgestaltung. Wir finden immer wieder einen Weg Container in unsere Konzepte einflie├čen zu lassen.

Das Erscheinungsbild und die Speisekarten wurden komplett von zeroseven entwickelt. Parallel gab es damals noch eine Flash-Website.

Der Weg in unsere eigene Kirche

Ich war bereits eine l├Ąngere Zeit auf der Suche nach neuen und passenden Agenturr├Ąumen. Per Zufall hatte ich das Gl├╝ck, ich glaube die F├╝gung, dass ich 2009 die R├Ąumlichkeiten der Zionskirche zum ersten Mal sehen durfte. Einen Moment, der die Entwicklung der Agentur ver├Ąndert und nachhaltig gepr├Ągt hat. Mit dem ersten Schritt in die Zionskirche war mir sofort klar, dass die R├Ąumlichkeiten genau das sind, was ich gesucht habe. Die R├Ąume sowie deren Atmosph├Ąre lie├čen mich nicht mehr los und zeigten mir ganz klar, welchen Weg ich mit der Agentur gehen werde. Das sind wiederum Momente im Leben, wo einem innerhalb von Sekunden klar ist, welchen Weg einer gehen muss. Du stehst vor einer Kreuzung und weist sofort, welche Richtung die Richtige ist. Das die R├Ąumlichkeiten wie auf uns zugeschnitten sind, wurde mir erst sp├Ąter bewusst. Wir f├╝llten diese mit Leben und dem notwendigen Esprit.

Der Umbau der Zionskirche war eine erfahrungsreiche Zeit. Mit viel Mut sind wir das Projekt angegangen und haben den Umbau der ehemaligen Zionskirche vorangetrieben. Manchmal ist es ganz hilfreich sich nicht so viele Gedanken zu machen, was alles kommen k├Ânnte. Einfach loslegen.  

Der Umbau der Zionskirche war f├╝r die zeroseven design studios der erste Schritt in den Bereich Corporate Architecture. Begonnen hat alles mit einer Abrissparty im 2. Obergeschoss der Zionskirche. Viele G├Ąste und Kunden folgten unserer Einladung. So konnten wir zum Start des Umbaus noch einmal mit unseren Kunden zusammen in den R├Ąumlichkeiten feiern. Ein dankbarer Schritt f├╝r mich, da wir ohne unsere Kunden nicht an diesem Punkt stehen w├╝rden.

Bevor wir mit dem Umbau begannen, hatten wir in der 2. Etage noch eine Abrissparty mit unseren Kunden gefeiert. Heute geh├Ârt die 2. Etage ebenfalls zu unserem B├╝ro. Wachstum hat uns stetig begleitet. F├╝r dieses Wachstum ist vor allem eins wichtig. Menschen auf Augenh├Âhe als Mitarbeiter und Kunden. Daf├╝r sage ich dankesch├Ân, da ich in das die letzten 20 Jahre immer hatte.

Die komplette Planung sowie den Umbau der Agenturr├Ąume f├╝hrte ein neu gegr├╝ndetes Team durch. Wir hatten es selber in der Hand, wie wir unser Arbeitsumfeld und die Zionskirche gestalten und interpretieren. F├╝r mich war immer klar, dass ich den Charakter der Kirche erhalten m├Âchte. Das war eine spannende und erfahrungsreiche Zeit. Viele Besprechungen und Abstimmungen mit ├Âffentlichen Baubeh├Ârden, dem Denkmalschutz und dem Brandschutz. Die Herausforderung und Erfahrung im Umbau von denkmalgesch├╝tzten Geb├Ąuden war sehr lehrreich f├╝r uns als Agentur und f├╝r die Entwicklung unseres Corporate Architecture Bereichs. In vielen Diskussionen hatten wir uns am Ende immer auf eine f├╝r das Geb├Ąude sinnvolle L├Âsung geeinigt, bei einer fairen und partnerschaftlichen Auseinandersetzung.
F├╝r die Planung und den Umbau der Agenturr├Ąume versuchte ich so viele Ideen und Spirit wie m├Âglich einflie├čen zu lassen. Mir war es wichtig, das Bauvorhaben aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu durchleuchten. Unabh├Ąngig von Machbarkeit oder nicht. Hierzu nutzte ich die Chance, mit der Architekturhochschule AMD in Hamburg in Zusammenarbeit mit Frau Prof. Elke Jensen eine Projektarbeit in ihrer Architekturklasse zu platzieren. Sechs Teams ├í 4 bis 6 Studenten setzten sich dann mit dem Thema auseinander. Hier entstanden tolle Ideen und L├Âsungen f├╝r eine Architektur, die frei von jeglichen Zw├Ąngen und Auflagen war. Nat├╝rlich auch mit dem Ergebnis, dass die Umsetzung teilweise sehr teuer werden k├Ânnte. Zu diesem Anlass pr├Ąsentierte ich das Bauvorhaben an der Hochschule in Hamburg. Knapp 6 Wochen sp├Ąter pr├Ąsentierten mir die sechs Gruppen ihre Entw├╝rfe und Interpretationen.

Die zeroseven design studios z├Ąhlte damals schon knapp 20 Mitarbeiter.

Der Umzug in die neuen Agenturr├Ąumen

Am 23. Dezember 2013 zogen wir in die neuen Agenturr├Ąumlichkeiten in der Zionskirche. Offiziell war der Umzug und die Er├Âffnung am 07. Januar 2014. Alles war neu, von den M├Âbeln, ├╝ber die Infrastruktur bis hin zur Technologie. Ein gro├čer Schritt f├╝r uns, der uns aber wieder weiter nach vorne gebracht hat. Es ist nicht selbstverst├Ąndlich, was wir alles geschaffen haben und wie gut die Agentur heute dasteht. Es ist das Ergebnis eines tollen Teams und vielen genialen Menschen, die den zeroseven design studios ├╝ber die Jahre die Treue halten.

Neben unseren neuen und tollen Agenturr├Ąumen haben wir das Gl├╝ck, dass direkt vor unserer Haust├╝re der sch├Ânste Stadtpark in ganz Ulm ist. Der alte Friedhof hat eine ├╝ber tausendj├Ąhrige Tradition und eines der bedeutendsten Kulturdenkm├Ąler der Stadt Ulm.

Vieles, was uns manchmal als selbstverst├Ąndlich erscheint, ist eben nicht selbstverst├Ąndlich. Dass sich Menschen finden, die gemeinsam ein Ziel, eine Vision haben und diese vorantreiben, ist eine wundervolle F├╝gung und Kraft. Wenn wir unsere Ziele und Visionen hin und wieder hinterfragen sowie regelm├Ą├čig aufs Neue sch├Ąrfen, so bleiben die Werte oder das, woran wir glauben, uns immer erhalten. Wachstum mag planbar sein, besser ist es aber meiner Meinung nach, wenn es sich aus der inneren Kraft und Dynamik entwickelt.

So war es vermutlich wieder kein Zufall, dass ich 2015 Rudolf Moser kennengelernt habe, der ebenfalls eine pr├Ągende Rolle bei uns in der Agentur eingenommen hat. Ein Kunde hat uns eine Empfehlung ausgesprochen, ohne dass wir aktiv in diesem Moment nach einem Mitarbeiter gesucht haben und es hat von Anfang an einfach gepasst. In meiner heute 20-j├Ąhrigen Selbstst├Ąndigkeit kann ich sagen, dass wenn mein Bauch "ja" sagt, ich mich meistens auf das Gef├╝hl verlassen kann. Auch das ist eine Erkenntnis, die sich durch keinen Personalfragebogen ersetzen l├Ąsst.

Ab 2015 befassten wir uns intensiv mit Design Thinking und haben mehr und mehr die Methoden f├╝r uns umgesetzt und eingef├╝hrt. Heute treiben uns Design Sprints voran, wie man im Team gemeinsam kreative L├Âsungen entwickeln kann. Hier kommen viele neue Themenfelder auf uns zu. Das fordert Innovation, Bereitschaft f├╝r Ver├Ąnderungen und ein st├Ąndiges Hinterfragen unserer Abl├Ąufe sowie unserer Arbeit.
Mittlerweile sind wir bei 40 Mitarbeitern angekommen. Das Wachstum einer Agentur unterliegt einzelnen Phasen und Prozessen. Hier durchl├Ąuft man auch Phasen, in denen man vor Entscheidungen steht, in welche Richtung sich ein Unternehmen weiterentwickeln will und kann.

Design-Thinking und Design-Sprints sind heute vielseitige M├Âglichkeiten im Dialog mit unseren Kunden gemeinsame Ergebnisse zu erarbeiten. Die Dynamik und das Ziel schnell, valide Ergebnisse zu erzielen sind der Erfolg dieser Methoden. Diese lassen sich extrem gut auch in unsere Workshops wie "Brand Interaction" oder "Digital Branding" integrieren.

Dies ist immer eine Herausforderung und steckt voller neuer Erfahrungen. Am Ende mag F├╝hrung ein wichtiger Faktor f├╝r den Gesch├Ąftserfolg sein, aber was aus meiner Sicht viel wichtiger ist, ist das Vertrauen in Menschen. Vertrauen auch einmal Fehler zu machen, aber dann aus Fehlern auch zu lernen. Ob man als Unternehmen erfolgreich in Zahlen gemessen ist oder nicht, war f├╝r mich nie ein Antrieb. Nat├╝rlich muss sich ein Unternehmen am Ende des Monats tragen, um die Geh├Ąlter auch bezahlen zu k├Ânnen.
Die Verantwortung f├╝r mittlerweile viele Mitarbeiter und auch teilweise Familien zu tragen, das zeichnet f├╝r mich am Ende den Faktor Erfolg aus und damit definiert sich Erfolg aus der Gemeinschaft von Menschen, in der jeder eine Rolle einnimmt. Ja, und auch hier muss am Ende eine Entscheidung getroffen werden, nach rechts oder links laufen. Diese Verantwortung kann einer oder mehrere tragen.
Nach wie vor ist f├╝r uns die Aus- und Weiterbildung eine wichtige S├Ąule. Jungen Menschen eine Entwicklungsm├Âglichkeit zu bieten und gute TYPO3 Programmierer auszubilden ist f├╝r uns zur Selbstverst├Ąndlichkeit geworden. Vielleicht weil uns bewusst ist, dass Qualit├Ąt eng mit Bildung verkn├╝pft ist.

Dass unser Weg aus architektonischer Sicht ein au├čergew├Âhnlicher Schritt war, hat uns die Anfrage vom chinesischen Architekturmagazin ÔÇ×id+cÔÇť gezeigt. Wir hatten unseren Umbau in diversen Architekturplattformen ver├Âffentlicht. ├ťber diesen Weg ist vermutlich auch id+c auf uns aufmerksam geworden. Am Anfang war ich noch sehr skeptisch, ob es sich mit der Anfrage nicht um einen Fake handelt. Umso mehr freuten wir uns, als sich herausstellte, dass es dieses Magazin wirklich gibt.

Kaum zu glauben, dass es unsere Agenturr├Ąume bis in ein chinesische Architekturmagazin geschafft hat. Darauf sind wir ebenfalls stolz.

Was ist den eigentlich aus dem Traum der New Economy geworden?

Ehrlich gesagt, wir haben doch alle unsere Tr├Ąume und Vorstellungen, wie unser Leben oder auch unsere berufliche Laufbahn erfolgen soll. Sind die Tr├Ąume so alle in Erf├╝llung gegangen, wie wir uns das gew├╝nscht haben? Aus den Tr├Ąumen werden irgendwann einmal Ziele. Wenn wir unsere Ziele mit dem vergleichen, was wir uns gew├╝nschten haben, hat sich so manches in eine Richtung entwickelt, die vielleicht gar nicht so weit vom einstigen Traum entfernt ist, manches vielleicht schon. Manches hat sich durch seine Eigendynamik selbst entwickelt, sodass die Ziele, die damit verbunden sind, dann auch in Erf├╝llung gegangen sind. Zuf├Ąlle und unterschiedliche Pers├Ânlichkeiten beeinflussen einen Weg und eine Entwicklung. Sprechen wir hier vom Gl├╝ck des T├╝chtigen oder von Zufall? Wer wei├č? Vermutlich ist es eine Mischung aus beidem! Aber unterm Strich hat jeder eine gewisse Eigenverantwortung f├╝r das, was er erreichen will und wohin der Weg f├╝hrt.

Eine wichtige Voraussetzung und Verantwortung dabei ist es, die richtigen Pers├Ânlichkeiten und Menschen zusammenzubringen und vor allem Mut zu haben. Ich glaube, das ist heute eine der wichtigsten Voraussetzungen in der Entwicklung von Unternehmen. Menschen zu finden, deren einzelne St├Ąrken und F├Ąhigkeiten in der Kombination als Team ein gro├čes, starkes Ganzes ergeben. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kraft Entscheidungen zu treffen. Der Mut und die Entscheidungskraft lassen dich den Weg gehen. Wenn ich heute auf die New Economy zur├╝ckblicke, habe ich unseren gro├čen, alten Billardtisch vor Augen, der unsere damaligen B├╝ror├Ąume in der Bleichstra├če schm├╝ckte.

Ein gro├čes Levi's Poster an der Wand verlieh uns den Spirit von den heutigen Start-up Unternehmen. Wir m├╝ssen zugeben, dass die alte Fabrikhalle, der einstigen Kofferfabrik, uns der New Economy ein bisschen n├Ąher brachte. In jedem Urlaub, den ich Mitte/Ende der 90er und Anfang der 2000er an der Westk├╝ste in San Francisco verbracht habe, fuhr ich zum Firmensitz von Razorfish. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich durch ein gro├čes Schaufenster in die R├Ąumlichkeiten von Razorfish blickte und das Ambiente so cool fand. Eine mit Licht an die Wand projizierte Uhr ist mir hier nachhaltig im Ged├Ąchtnis geblieben. Auch bei meinen Reisen nach New York habe ich mir regelm├Ą├čig die Standorte der gro├čen Agenturen aus der New Economy angeschaut. Auf der einen Seite war das ein Traum, einmal so eine gro├če Agentur zu haben, auf der anderen Seite aber auch ein Antrieb, immer weiter voranzugehen.

Razorfish war f├╝r mich lange eine Agentur, deren Entwicklung ich mit gro├čem Interesse verfolgt hatte. Vielleicht war es Zufall, aber meine St├Ądtetripps in die USA waren meist auch ein Standort von Razorfish. Egal ob ich in NewYork oder San Francisco war, ich nahm mir immer die Zeit und fuhr zu den B├╝ros von Razorfish. Unvergesslich f├╝r mich die gro├če LED-Uhr, die bei Razorfish an die Wand projeziert wurde. Ich stand vor diesem gro├čen Schaufenster und war fasziniert von dieser Agentur. Inspiration ist auch Antrieb. Von Razorfish gabe es sogar ein Buch. Nat├╝rlich hatte ich das aus den USA importiert.

Transformation, die uns immer begleitet

Heute, nach knapp 20 Jahren im Agenturumfeld, stehen wir an einem Punkt, an dem wir mit Stolz auf das zur├╝ckblicken, was wir geschaffen haben. Mit all der Erfahrung und den Geschichten ist unser Anspruch an uns selbst sowie an unsere Agentur, Jahr f├╝r Jahr gestiegen. Das ist Fluch und Segen zugleich.

Was damals ein Traum von hippen Loft-B├╝ros war, ist heute die gl├╝ckliche Realit├Ąt in dem au├čergew├Âhnlichen Ambiente der Zionskirche t├Ątig sein zu k├Ânnen - weit aus sch├Âner als es Lofts jemals sein k├Ânnten. Auch die Entwicklung, die wir als reine Digital-Agentur zu einer Agentur mit digitaler Pr├Ągung und tiefem Markenverst├Ąndnis sowie der Leidenschaft f├╝r Design und Architektur vorgenommen haben, erf├╝llt uns sowohl mit Freude als auch mit Stolz.
Architektur ist im Gegensatz zu jeder Technologie und jedem Trend einfach etwas Unverg├Ąngliches. Architektur bleibt ├╝ber Jahrzehnte und Jahrhunderten erhalten. Aber nur dann, wenn man das Richtige daraus macht. Es verleiht einen emotionalen Halt und Geborgenheit.

Der Digitalisierungsprozess ver├Ąndert nicht nur die Arbeitswelt und die Anforderungen an Arbeitgeber. Prozesse und der stetige Wandel waren die best├Ąndigsten Begleiter der letzten 20 Jahre. In kaum einer anderen Branche werden Arbeitsabl├Ąufe und Methoden so schnell angepasst, als in der Digitalbranche. Von Design Thinking bis hin zu Design Sprints haben sich unterschiedliche Methoden die letzten Jahre etabliert. Die Techkonzerne wie Google, Facebook, Apple, Amazon oder auch SAP sind heute bereits, wie wir Agenturen, in der Lage diese Methoden in k├╝rzester Zeit in ihren Unternehmen zu verankern. Daran erkannt man, wie dynamisch Unternehmen heute sein m├╝ssen. Diese sind f├╝r viele Studienabg├Ąnger heute eine der wichtigsten Anforderungen an einen Arbeitgeber. Sie lernen bereits in ihrem Studium, wie man moderne Methoden einsetzt. Das ist aus meiner Sicht auch eine der gr├Â├čten Herausforderungen f├╝r viele Unternehmen, sich dieser Ver├Ąnderung also Transformation zu stellen. Nicht nur in Hinblick auf die Wettbewerbsf├Ąhigkeit, sondern auch um die Talente als Arbeitgeber zu ├╝berzeugen.

Was sich aber heute jedoch sagen l├Ąsst, ist, dass aus der ÔÇ×New EconomyÔÇť eine ÔÇ×Old New EconomyÔÇť wurde. Wir tragen immer noch keine Armani-Anz├╝ge, sondern sind bodenst├Ąndig geblieben. Wie damals gilt f├╝r uns auch heute, dass das Internet ein Handwerk ist, ein Handwerk aus Technologie und Vernunft, gepaart mit Service, Qualit├Ąt und Verst├Ąndnis. Mit Kreativit├Ąt und Design differenzieren wir uns als Unternehmen. Und die wichtigste Grundlage ist dabei eine Strategie.
Mit Verst├Ąndnis, f├╝r das was der Kunde braucht und f├╝r Marken. Bei allen schnellen Ver├Ąnderungen, die uns die digitalen Themen gebracht haben, sind immer die Marken und Unternehmen dauerhaft hervorgegangen, die sich ihrer Werte und St├Ąrken bewusst sind. Die wissen, f├╝r was sie stehen und was sie besonders gut k├Ânnen. Nicht umsonst ist heute ein wichtiges Bewertungskriterium von Unternehmen der Markenwert.

Ein funktionierendes Team ist eine wichtige Voraussetzung f├╝r eine gute Zusammenarbeit. Vielen Dank an alle, die Teil der zeroseven design studios sind und auch waren. 

Das Jahr 2020 wird uns langfristig in Erinnerung bleiben zu unserem 20-j├Ąhrigen Jubil├Ąum. Dass unser Jubil├Ąumsjahr von der Corona-Pandemie gepr├Ągt wird, h├Ątten wir uns im Januar dieses Jahres nicht vorstellen k├Ânnen. Eine Krise, die unser Land noch einige Zeit begleiten wird, uns jedoch auch vor Augen gef├╝hrt hat, wie wichtig die Digitalisierung und die Transformation f├╝r Unternehmen und Marken ist und zunehmend werden wird.

Beides ist heute untrennbar miteinander verbunden und ein wesentlicher Faktor f├╝r den Gesch├Ąftserfolg. Dabei ist immer die Frage, was ist Erfolg in Zeiten Corona und dar├╝ber hinaus. Sind es die Aktienkurse, die uns vorantreiben und motivieren, oder die "Ver├Ąnderung" und auch "Besinnung" in eine Zeit, die nicht von einer Dividende gepr├Ągt sein wird und hoffentlich muss.

Daf├╝r tr├Ągt aber jeder von uns einen Teil der Verantwortung, dass es hier zu Ver├Ąnderungen kommt. Ob es richtig ist, dass Unternehmen wie Apple, die drei Tage nach der Verk├╝ndung eines Rekordquartals eine Pressemitteilung ver├Âffentlichen, dass sie die Mieten aufgrund der Corona-Pandemie h├Ątten halbieren wollen. Oder auch Unternehmen wie Adidas, die einen ├Ąhnlichen Weg h├Ątten einschlagen wollen, obwohl diese ein Jahr zuvor Rekordgewinne einfuhren.

Gef├╝hlt befinden wir uns wie vor 20 Jahre zu unserer Gr├╝ndung in einer Krise, die im Vergleich zu damals nicht durch die Gier von Aktiengewinnen zustande gekommen war, sonders durch einen Virus. Aber wir stehen heute aus meiner Sicht an einem ├Ąhnlichen Punkt, wenn wir auch digitaler sind.

Aus ein paar Gedanken, die ich aufschreiben wollte, ist doch eine l├Ąngere Geschichte geworden. Meine Zeilen sollen auf keinen Fall als unternehmerische Weisheiten r├╝ber kommen. Mir ist beim Schreiben nochmals bewusst geworden, welches Gl├╝ck ich die letzten 20 Jahre hatte, was ich alles erfahren und erleben durfte. Und, wie dankbar ich f├╝r all die Erfahrungen bin. Erfahrung ist einer der wichtigsten Sch├Ątze, die wir unseren Kindern oder auch j├╝ngeren Unternehmen mit auf den Weg geben k├Ânnen. Es ist sogar eine Verpflichtung von uns, unsere Erfahrung zu teilen. F├╝r mich war es ein R├╝ckblick auf den Start meiner Selbstst├Ąndigkeit, auf die Entwicklung unserer Agentur. Viele tolle Erinnerungen sind mir beim Schreiben wieder eingefallen. Das Internet hat f├Ârmlich meine berufliche Laufbahn extrem gepr├Ągt, ver├Ąndert und gesteuert. Dar├╝ber bin ich dankbar und vergesse aber nicht, wo meine Wurzeln sind und wo ich herkomme.

Der AutorThomas Seruset
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Im Herzen S├╝ddeutsch. Im Handeln Weltoffen
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